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Meine Rolle: UX Engineer | Technologien: React, HTML, CSS, Figma

94% positive Resonanz auf die Buchungsstrecke

Herausforderung

Die alte Buchungsstrecke für einen Wellness-Bereich war unübersichtlich, langsam und fehleranfällig. Kunden konnten ihre gewünschte Suite oft nicht erfolgreich buchen, da der Prozess bei Änderungen von vorne begann. Häufige Beschwerden belegten die Unzufriedenheit. Die Herausforderung bestand darin, eine neue Buchungsstrecke zu entwickeln, die intuitiv, schnell und änderungsfreundlich ist und die Kundenzufriedenheit deutlich steigert.

User-Research

Datenquellen:

  • Sammlung und Auswertung von Kundenfeedback und E-Mail-Korrespondenzen der letzten sechs Monate (Abb. 3).

Interviews:

  • Gespräche mit Service-Abteilungen und Kundenbetreuern, um zusätzliche Perspektiven auf häufige Probleme und Kundenbedürfnisse zu erhalten.

Pain Points:

  • Schwierige Auswahl der Startzeit führte oft zu fehlerhaften Buchungen und Abbrüchen.
  • Umständlicher Buchungsprozess ohne Zwischenspeicherung führte zu Frustration.

Forschungsfragen:

  • Wo brechen Nutzer die Buchung ab?
  • Welche Informationen fehlen oder sind unklar?
  • Wie wichtig ist eine flexible Änderungsmöglichkeit während des Buchungsprozesses?
  • Welche Erwartungen haben Nutzer an Geschwindigkeit und Übersichtlichkeit?

Konzeption und Umsetzung

Inhalte & Struktur:

  • Entwicklung einer Persona basierend auf KI-Analysen (Abb. 2), um Nutzerbedürfnisse klar zu definieren.
  • Erstellung erster Skizzen für den Buchungs-User-Flow, fokussiert auf einen minimalen Klickweg und maximale Transparenz.
  • Aufbau einer klaren Informationsarchitektur, die Änderungen während der Buchung einfach erlaubt.

Design & Entwicklung:

  • Ausarbeitung von Low-Fidelity Wireframes in Figma für eine frühe Abstimmung (Abb. 1).
  • In enger Kollaboration mit der Designabteilung habe ich zunächst einen Prototypen entwickelt und mit Hilfe der Komponenten das Design-System angelegt und weiter ausgebaut.
  • Frontend-Entwicklung der Buchungsstrecke in React, HTML und CSS unter Berücksichtigung moderner UX-Patterns.
  • Enge Abstimmung mit dem Backend-Team zur Sicherstellung schneller Ladezeiten und reibungsloser Funktionalität.

Optimierung:

  • Fokus auf Pagespeed-Optimierung: Minimierung der Ladezeiten im Frontend und Backend.
  • Einführung von flexiblen Anpassungsmöglichkeiten während der Buchung, z.B. bei der Startzeitauswahl.

Test und Validierung

  • Iterative Evaluation der Seiten und Komponenten mittels heuristischer Evaluation und 5-Sekunden-Tests zur Optimierung der Verständlichkeit.
  • Durchführung von Usability-Tests sowohl intern als auch extern mit echten Kunden.
  • Kontinuierliche Validierung der Nutzerfreundlichkeit basierend auf direktem Feedback und Expertenreviews.
  • Iterative Evaluation auf Barrierefreiheit der Seiten mit der VoiceOver-Funktion am Mac, der reinen Navigation mit der Tastatur und Browser-Plugins.
  • Überprüfen der Barrierefreiheit mit Hilfe einer darauf spezialisierten externen Agentur, welche dann Aufgaben-Tickets bei Problemen erstellt hat.

Barrierefreiheit

Ziel und Umfang

Ich überprüfte den Ist-Zustand der gesamten Buchungs- und Check-out-Strecke hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Terminauswahl über den interaktiven Kalender auf der Startseite, da dieser als komplexe, dynamisch erzeugte Komponente besondere Anforderungen an Tastaturbedienung und Screenreader-Nutzung stellte.

Neben der manuellen Prüfung setzte ich automatisierte Prüfungen ein und arbeitete mit einem externen Dienstleister zusammen, der spezialisierte Werkzeuge zur Erkennung und Einordnung von Accessibility-Problemen bereitstellte.

Die Prüfungen richtete ich mindestens auf WCAG Level AA aus. Wo die eingesetzten Werkzeuge dies unterstützten, ergänzte ich die Prüfungen um zusätzliche Accessibility Best Practices.

ATAG war für den betrachteten Anwendungsfall nicht Bestandteil des Testumfangs, da die Anwendung keine entsprechende Authoring-Umgebung zur Erstellung von Webinhalten bereitstellte.
Unabhängig davon stellte ich sicher, dass dynamisch erzeugte Seitentitel korrekt gesetzt wurden. Dazu verwendete ich Helmet für React und überprüfte die resultierenden Seitentitel manuell.

 

Automatisierte Accessibility-Tests

Bereits während der Entwicklung setzte ich automatisierte Prüfungen ein, um Accessibility-Probleme möglichst früh im Entwicklungsprozess zu erkennen. In der React-Entwicklung verwendete ich unter anderem eslint-plugin-jsx-a11y, um beispielsweise fehlende oder problematische Attribute wie alt-Texte direkt im Code erkennen zu können.

Zusätzlich setzte ich im Visual-Studio-Code-Umfeld den Axe Accessibility Linter ein, um die entstehende HTML-Struktur bereits während der Entwicklung auf mögliche Accessibility-Probleme zu prüfen.

Für die fertige Buchungsstrecke verwendete ich unter anderem axe-core und WAVE, um die einzelnen Seiten separat zu überprüfen. Dabei wurden unter anderem fehlerhafte Landmarks, problematische Überschriftenhierarchien und fehlende bzw. ungeeignete Alternativtexte identifiziert.

In Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister richtete ich außerdem spezialisierte automatisierte Testabläufe ein. Dadurch konnten auch Bereiche überprüft werden, die erst durch Benutzerinteraktionen erreichbar waren, beispielsweise der Login-Bereich und der Check-out-Prozess einschließlich der Bezahlung.

Die automatisierten Prüfungen verwendete ich dabei nicht als alleinige Qualitätskontrolle. Die gefundenen Probleme überprüfte ich anschließend manuell, insbesondere hinsichtlich Tastaturbedienung und Screenreader-Ausgabe.

 

Manuelles Accessibility-Testing

Das manuelle Testen war ein wesentlicher Bestandteil der Prüfung und wurde sowohl während der Entwicklung als auch nach der Behebung einzelner Probleme wiederholt durchgeführt.

Ich testete den kompletten User Flow der Buchungsstrecke mit der Tastatur und überprüfte dabei insbesondere die Reihenfolge der Interaktionen und die Erreichbarkeit der einzelnen Bedienelemente. Zusätzlich verwendete ich VoiceOver auf macOS, um die einzelnen Seiten mit einem Screenreader durchzugehen und gleichzeitig die Tastaturbedienung und die ausgegebenen Informationen zu überprüfen.

Dabei überprüfte ich beispielsweise nicht nur, ob ein alt-Attribut vorhanden war, sondern auch, ob dessen Inhalt für Screenreader-Nutzer tatsächlich sinnvoll war. Bei dekorativen Bildern und Icons untersuchte ich dagegen, ob eine Ausgabe durch den Screenreader überhaupt erforderlich war.

Auch dynamisch generierte Inhalte und Button-Labels wurden manuell überprüft. Gerade beim Kalender war es wichtig, dass die einzelnen Bedienelemente für Screenreader verständlich benannt und Zustandsänderungen nachvollziehbar ausgegeben wurden.

 

Identifizierte Probleme und technische Remediation

Auf Basis der automatisierten und manuellen Prüfungen nahm ich verschiedene technische und visuelle Anpassungen vor.

Validierung der Änderungen

Nach der technischen Umsetzung überprüfte ich die Änderungen erneut mit automatisierten Tools sowie durch manuelle Tastatur- und Screenreader-Tests.

Dabei durchlief ich die Buchungsstrecke erneut Schritt für Schritt und überprüfte insbesondere die zuvor problematischen Bereiche. Die automatisierten Prüfungen dienten dabei als zusätzliche Kontrolle, während die manuelle Prüfung sicherstellte, dass die korrigierten Komponenten auch tatsächlich sinnvoll mit Tastatur und Screenreader bedienbar und verständlich waren.

Die Ergebnisse der Prüfungen und die daraus entstandenen Korrekturen wurden dokumentiert. Nach Abschluss der vorgesehenen Remediation wurde die Barrierefreiheitserklärung entsprechend aktualisiert bzw. veröffentlicht.

Finale Version

Ergebnis

  • 94 % positive Kundenresonanz im Rahmen eines Live-Tests mit 468 Testkunden.
  • Deutlich weniger Beschwerden im Service-Center bezüglich der Buchung.
  • Schnellerer Buchungsprozess und höhere Abschlussraten.
  • Anerkennung durch die Unternehmensleitung: Verleihung eines internen Preises für außergewöhnlichen Einsatz und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Fazit

  • Das Projekt hat deutlich gezeigt, dass echte Nutzerforschung – insbesondere durch die Auswertung realer Kundenerfahrungen – eine unverzichtbare Grundlage für fundierte Designentscheidungen bildet. Reines Expertenwissen reicht nicht aus, um komplexe Nutzerbedürfnisse vollständig zu erfassen.
  • Die systematische Berücksichtigung von Barrierefreiheit führte zu einer verbesserten Nutzererfahrung für alle Zielgruppen – nicht nur für Menschen mit Einschränkungen. Gerade in öffentlichen, viel genutzten Systemen ist inklusive Gestaltung ein zentraler Qualitätsfaktor.
  • Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor war die enge Zusammenarbeit mit Fachabteilungen aus Service, Technik und Design. Die vielfältigen Perspektiven ermöglichten es, relevante Problemstellungen frühzeitig zu identifizieren und praktikable Lösungen zu entwickeln – ein integrativer Prozess, der letztlich zur hohen Akzeptanz und positiven Resonanz der neuen Buchungsstrecke beigetragen hat.